Wenn ein Kind fiebert, steht auf dem Thermometer nur eine Zahl – und im Kopf öffnen sich ungefähr zwölf Fragen gleichzeitig. Ist die Temperatur schon hoch? Reicht Beobachten? Muss heute noch jemand draufschauen? Besonders nachts hilft keine vage Beruhigung, sondern eine klare Orientierung: Das Alter und der Allgemeinzustand des Kindes sind mindestens so wichtig wie der Messwert.
Dieser Ratgeber fasst aktuelle Empfehlungen offizieller deutscher Gesundheitsangebote verständlich zusammen. Er kann keine Untersuchung ersetzen. Wenn euch euer Kind ungewöhnlich krank vorkommt oder ihr unsicher seid, holt ärztlichen Rat ein. Eltern müssen eine ernste Erkrankung nicht erst selbst beweisen, bevor sie um Hilfe bitten.
Kurz gesagt: Bei einem Baby bis etwa drei Monate sind 38,0 °C oder mehr ein Grund für eine rasche ärztliche Abklärung. Bei älteren Kindern entscheidet nicht allein die Höhe des Fiebers: Atemprobleme, auffällige Teilnahmslosigkeit, ein steifer Nacken, Hautverfärbungen, ein Krampfanfall oder deutlicher Flüssigkeitsmangel brauchen dringend medizinische Hilfe. Außerhalb der Praxiszeiten erreicht ihr den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117; bei lebensbedrohlichen Anzeichen gilt 112.
Ab wann spricht man bei Kindern von Fieber?
Nach Angaben von gesund.bund.de spricht man bei Kindern grundsätzlich ab 38,5 °C von Fieber. Bei Babys unter drei Monaten gilt bereits eine Temperatur von 38,0 °C als Fieber. Werte zwischen 37,5 und 38,5 °C werden häufig als erhöhte Temperatur bezeichnet. Körpertemperatur schwankt außerdem im Tagesverlauf und kann abends etwas höher liegen als morgens.
Die Temperatur ist eine wichtige Information, aber keine vollständige Beurteilung. Ein Kind mit einem niedrigeren Wert kann deutlich krank wirken. Ein anderes Kind spielt trotz höherer Temperatur zeitweise. Schaut deshalb darauf, ob euer Kind ansprechbar ist, trinkt, normal atmet und wie stark es von seinem üblichen Verhalten abweicht.
Fieber ist keine eigene Krankheit. Es ist häufig eine Reaktion des Körpers auf eine Infektion. Die meisten fiebernden Kinder haben laut gesund.bund.de eine harmlose Virusinfektion und werden von selbst wieder gesund. Trotzdem gibt es Situationen, in denen die Ursache ärztlich beurteilt werden muss.
Die wichtigste Altersgrenze: Babys bis drei Monate
Ist euer Baby bis etwa drei Monate alt und hat eine gemessene Temperatur von 38,0 °C oder mehr, solltet ihr nicht abwarten, sondern rasch ärztlichen Rat einholen. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit weist außerdem darauf hin, dass sehr junge Babys auch bei einer Temperatur unter 38 °C ärztlich abgeklärt werden sollen, wenn sie sehr schlapp wirken, nicht trinken wollen oder Hautverfärbungen zeigen.
Sehr junge Babys können bei einer Infektion weniger eindeutige Zeichen zeigen als ältere Kinder. Deshalb ist die niedrigere Temperaturschwelle hier wichtig. Sagt bei der Kontaktaufnahme gleich, wie alt euer Baby ist, welche Temperatur ihr wo gemessen habt und welche Veränderungen ihr beobachtet.
Versucht nicht, die Abklärung durch eine besonders lange Beobachtungsphase oder eine eigene Behandlung zu ersetzen. Welche Stelle zuständig ist, hängt von Tageszeit und Situation ab: Kinderarztpraxis, ärztlicher Bereitschaftsdienst oder bei einem lebensbedrohlichen Zustand der Rettungsdienst.
Wann braucht ein älteres Kind ärztlichen Rat?
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) empfiehlt ärztlichen Rat unter anderem, wenn Fieber bei einem Kind unter zwei Jahren länger als einen Tag anhält oder bei einem älteren Kind länger als drei Tage. Auch wiederkehrendes oder schubweise auftretendes Fieber soll abgeklärt werden. Diese Zeitangaben sind keine Aufforderung, bei Warnzeichen erst mehrere Tage zu warten.
Eine Untersuchung ist außerdem sinnvoll, wenn weitere Krankheitszeichen auftreten, etwa Erbrechen, Durchfall, Bauch- oder Kopfschmerzen, Hautausschlag oder wenn das Kind kaum trinken möchte. Auch wenn das Fieber zurückgeht, das Kind aber weiterhin deutlich beeinträchtigt oder teilnahmslos ist, solltet ihr ärztlichen Rat suchen.
Bei bekannten Vorerkrankungen oder besonderen medizinischen Situationen kann ein anderer Handlungsrahmen gelten. Orientiert euch an den individuellen Absprachen mit der behandelnden Praxis. Dieser Artikel richtet sich an eine allgemeine Suche und kann solche Besonderheiten nicht berücksichtigen.
Welche Warnzeichen sind ein Notfall?
Ruft 112, wenn euer Kind schwer atmet, nicht normal reagiert, bewusstlos ist oder euch sein Zustand lebensbedrohlich erscheint. Ein steifer Nacken, auffällige Hautverfärbungen, extreme Teilnahmslosigkeit oder ein Krampfanfall können ebenfalls dringende Warnzeichen sein. Wartet dann nicht auf die Öffnung einer regulären Praxis.
Beim ersten Fieberkrampf empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, beim Kind zu bleiben, die Zeit zu beachten und rasch ärztliche beziehungsweise notärztliche Hilfe zu verständigen. Gebt während eines Krampfs nichts zu essen oder zu trinken und schüttelt das Kind nicht. Entfernt Gegenstände, an denen es sich verletzen könnte, und folgt den Anweisungen der Leitstelle.
Wenn ihr nicht sicher einschätzen könnt, wie dringend es ist, schildert die Symptome am Telefon so konkret wie möglich. Nennt Alter, Temperatur, Messort, Atmung, Trinkverhalten, Ansprechbarkeit und auffällige Veränderungen. Eine gute Beschreibung hilft der zuständigen Stelle bei der Einordnung.
112, 116117 oder Kinderarztpraxis – wer hilft wann?
Die 112 ist für akute, möglicherweise lebensbedrohliche Notfälle da. Dazu gehören beispielsweise schwere Atemnot, Bewusstlosigkeit oder ein anhaltender Krampfanfall. Ihr müsst in einer solchen Situation nicht erst eine andere Telefonnummer ausprobieren.
Die Kinderarztpraxis ist während ihrer Sprechzeiten die erste Anlaufstelle für Beschwerden, die zeitnah ärztlich beurteilt werden sollten, aber nicht unmittelbar lebensbedrohlich wirken. Ruft möglichst vorher an. So kann die Praxis den Besuch einplanen und euch sagen, ob besondere Vorkehrungen nötig sind.
Die 116117 verbindet euch außerhalb regulärer Sprechzeiten mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst, wenn die Beschwerden nicht bis zur nächsten Praxisöffnung warten können, aber kein lebensbedrohlicher Notfall vorliegt. Die telefonische Einschätzung ersetzt bei Bedarf nicht die Untersuchung, kann euch aber zur passenden Versorgung lotsen.
Wie messt ihr Fieber möglichst verlässlich?
Ein heißer Nacken oder eine warme Stirn können ein Hinweis sein, ersetzen aber keine Messung. Verwendet ein geeignetes digitales Thermometer und beachtet seine Anleitung. Notiert den Wert zusammen mit Uhrzeit und Messort, denn Messverfahren können zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.
Gesund.bund.de bezeichnet die rektale Messung mit einem digitalen Thermometer bei kleinen Kindern als besonders zuverlässig. Ohr- und Stirnthermometer werden ebenfalls verwendet, können aber von korrekter Bedienung beeinflusst sein. Unter der Achsel oder im Mund zu messen, wird dort erst für ältere Kinder als sinnvoll beschrieben. Lasst euch in der Kinderarztpraxis oder Apotheke zeigen, was für Alter und Gerät passt.
Messt nicht im Minutentakt. Ein übersichtlicher Verlauf ist hilfreicher als eine lange Reihe kaum unterschiedlicher Werte. Neben der Temperatur könnt ihr festhalten: Trinken, Wasserlassen, Atmung, Wachheit, Schmerzen, Hautveränderungen und gegebenenfalls verabreichte Medikamente mit Uhrzeit.
Was könnt ihr zu Hause beobachten?
Schaut regelmäßig, ob euer Kind ansprechbar ist und auf euch reagiert. Beobachtet die Atmung und achtet darauf, ob es trinkt. Hinweise auf Flüssigkeitsmangel können trockene Lippen und ein trockener Mund, fehlende Tränen, eingesunkene Augen oder deutlich weniger Urin sein. Bei Babys kann auch eine eingesunkene Fontanelle auffallen.
Bietet regelmäßig Flüssigkeit an, ohne das Kind zu einem großen Glas auf einmal zu drängen. Wenn es gestillt wird, kann häufigeres Anlegen passend sein. Welche Menge individuell nötig ist, kann dieser Artikel nicht festlegen. Wenn euer Kind nicht trinken möchte, alles erbricht oder Zeichen eines Flüssigkeitsmangels zeigt, holt ärztliche Hilfe.
Ruhe bedeutet nicht, dass ein Kind regungslos im Bett liegen muss. Wenn es sich zeitweise beschäftigen möchte, ist ruhiges Spielen möglich. Ein fieberndes Kind gehört jedoch nicht in Kita, Schule oder andere Gemeinschaftseinrichtungen. Nach der aktuellen Elternleitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) sollte es mindestens einen vollständigen Tag fieberfrei und wieder belastbar sein, bevor es zurückkehrt.
Muss Fieber immer gesenkt werden?
Nein. Fiebersenkende Mittel sind nicht automatisch bei jedem Fieberwert notwendig. Nach gesund.bund.de können sie in Betracht kommen, wenn ein Kind sich sehr unwohl fühlt oder hohes Fieber hat. Ziel ist nicht, eine bestimmte Zahl auf dem Thermometer um jeden Preis zu erreichen, sondern das Befinden des Kindes zu berücksichtigen.
Gebt Medikamente nur in einer für das Kind geeigneten Form und Dosierung. Diese richtet sich unter anderem nach Wirkstoff, Körpergewicht, Alter und Präparat. Nutzt keine Dosierungsangabe aus einem allgemeinen Artikel. Klärt die richtige Anwendung mit Kinderarztpraxis oder Apotheke und beachtet die Packungsbeilage. Acetylsalicylsäure, kurz ASS, ist laut gesund.bund.de für Kinder und Jugendliche ungeeignet, weil eine seltene gefährliche Nebenwirkung auftreten kann.
Kombiniert oder wechselt fiebersenkende Wirkstoffe nicht eigenständig, wenn das nicht fachlich mit euch besprochen wurde. Notiert jeden verabreichten Wirkstoff, Menge und Uhrzeit, damit es nicht versehentlich zu doppelten Gaben kommt. Wenn sich der Zustand trotz einer empfohlenen Maßnahme verschlechtert, ist die nächste Dosis nicht die Antwort auf jedes Problem – holt ärztlichen Rat.
Sind Wadenwickel sinnvoll?
Wadenwickel senken die Körpertemperatur von außen; ob sie gegen Fieber helfen, ist laut gesund.bund.de unklar. Wenn sie einem älteren Kind angenehm sind, können sie nach fachlicher Empfehlung als unterstützende Maßnahme infrage kommen. Sie sollten nicht kalt sein und nicht gegen den Willen eines frierenden Kindes angewendet werden.
Hat euer Kind kalte Hände und Füße, Schüttelfrost oder empfindet die Wickel als unangenehm, lasst sie weg. Packt ein fieberndes Kind zugleich nicht übermäßig warm ein. Bequeme Kleidung und eine angenehme Raumtemperatur sind sinnvoller als der Versuch, Fieber auszuschwitzen.
Hausmittel dürfen keine notwendige Untersuchung verzögern. Ein Kind mit Warnzeichen braucht medizinische Hilfe, unabhängig davon, ob eine Maßnahme zu Hause den Temperaturwert kurzfristig verändert.
Was ist bei einem Fieberkrampf zu tun?
Ein Fieberkrampf kann sehr beängstigend aussehen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) betrifft er typischerweise Kinder zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem fünften Lebensjahr. Die meisten einfachen Fieberkrämpfe hören innerhalb weniger Minuten von selbst auf und bleiben ohne gesundheitliche Folgen. Trotzdem muss ein erster Fieberkrampf rasch ärztlich beurteilt werden.
Bleibt beim Kind, schaut auf die Uhr und schützt es vor Verletzungen. Lockert bei Bedarf Kleidung, damit es frei atmen kann. Gebt während des Anfalls weder Nahrung noch Flüssigkeit und versucht nicht, das Kind festzuhalten oder zu schütteln. Verständigt rasch ärztliche beziehungsweise notärztliche Hilfe.
Hat euer Kind bereits Fieberkrämpfe erlebt, folgt dem persönlichen Notfallplan der behandelnden Praxis. Dort wird gegebenenfalls erklärt, wann und wie ein verordnetes Notfallmedikament angewendet wird. Eine allgemeine Internetanleitung kann diese individuelle Einweisung nicht ersetzen.
Welche Informationen helfen in der Praxis?
Notiert, seit wann das Fieber besteht, wie hoch es war und wie ihr gemessen habt. Beschreibt weitere Symptome und Veränderungen des Allgemeinzustands. Husten, Schmerzen, Ausschlag, Erbrechen, Durchfall, Trinkmenge und Wasserlassen können wichtige Hinweise sein.
Nennt Medikamente mit Wirkstoff, Menge und Uhrzeit. Sagt auch, wenn eine Impfung kurz zuvor stattgefunden hat, eine chronische Erkrankung besteht oder das Kind nach einer Reise erkrankt ist. Bringt bei Unsicherheit das verwendete Präparat oder ein Foto der Packung mit.
Ihr müsst keine Diagnose vorschlagen. Eure Aufgabe ist, Beobachtungen möglichst klar weiterzugeben. Das ist auch nachts hilfreich, wenn der eigene Kopf ungefähr so strukturiert arbeitet wie die Spielzeugkiste nach einem langen Nachmittag.
Häufige Fragen kurz beantwortet
Wann ist Fieber ein Fall für 112?
Bei einer lebensbedrohlichen Situation, etwa schwerer Atemnot, Bewusstlosigkeit, einem anhaltenden Krampfanfall oder wenn das Kind nicht normal reagiert. Im Zweifel beschreibt ihr der Leitstelle den Zustand und folgt ihren Anweisungen.
Soll man ein schlafendes Kind zum Fiebermessen wecken?
Eine allgemeine Antwort passt nicht zu jeder Situation. Entscheidend sind Alter, Verlauf, Allgemeinzustand und individuelle ärztliche Hinweise. Bei einem sehr jungen Baby, Warnzeichen oder einer bereits vereinbarten Kontrolle folgt ihr nicht einer pauschalen Internetregel, sondern holt fachlichen Rat ein.
Ein einfacher Plan für die nächste Fiebernacht
Legt Thermometer, Notizzettel und die Nummern eurer Kinderarztpraxis sowie 116117 bereit. Messt korrekt, beobachtet euer Kind und schreibt die wichtigsten Angaben auf. Entscheidet dann anhand von Alter, Allgemeinzustand, Warnzeichen und Dauer, welche Anlaufstelle passt.
Teilt die Betreuung, wenn das möglich ist. Eine Person kann beim Kind bleiben, während die andere telefoniert oder Informationen heraussucht. Wer allein betreut, darf sich früh Unterstützung organisieren. Auch in einer Fiebernacht ist die unsichtbare Verantwortung eine echte Aufgabe.
Euer erster Schritt: Speichert 116117 und 112 im Telefon und legt fest, wo das Fieberthermometer liegt. Im Ernstfall hilft ein kleiner vorbereiteter Ablauf mehr als die Suche nach dem perfekten Merkblatt.
Quellen und Prüfdatum
Grundlage dieses Artikels sind gesund.bund.de: Fieber bei Kindern, BIÖG: Fieber bei Babys und Kindern und die Elterninformation der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) zum Fieberkrampf. Ergänzend berücksichtigt wurde die im Mai 2026 veröffentlichte S3-Leitlinie zum Fiebermanagement. Quellen zuletzt geprüft am 19. September 2026. Medizinische Informationen ersetzen keine Untersuchung, Diagnose oder individuelle Behandlung.
